„Frost über Hainbruck“
Der Morgen kam grau über Hainbruck. Kein Sonnenaufgang, nur ein langsames Hellwerden hinter Nebel und Rauch.
Roderich stand bereits auf dem Feld, bevor der erste Hahn krähte. Der Boden war hart wie Stein. Die Nacht hatte Frost gebracht – zu früh im Jahr. Zu oft in diesem Herbst.
Mit dem Stiefel trat er gegen die gefrorene Erde. „Wenn das so weitergeht…“, murmelte er, ohne den Satz zu beenden. Seine Frau Alva war drinnen geblieben. Sie hütete das letzte Mehl wie einen Schatz. Drei Kinder schliefen noch unter dünnen Decken.
Vom Waldrand her kam das ferne knacken von Holz. Vielleicht Jäger. Vielleicht Wölfe. Vielleicht Männer, die keine Felder mehr hatten.
Hainbruck lag weit entfernt von Königen, Burgen und Bannerkriegen. Doch wenn der Krieg um die Krone tobte, spürten sie es hier zuerst: weniger Händler, höhere Abgaben, durchziehende Soldaten. Immer mit Hunger.
Roderich hob die Hacke und schlug zu. Der Boden gab kaum nach.
In der Ferne läutete die kleine Dorfkapelle. Kein Gottesdienst. Nur ein Zeichen: Der Müller hatte die Nachricht gebracht – eine neue Steuer. „Für den Schutz des Reiches.“
Roderich lachte trocken.
Schutz.
Er blickte über die Felder. Nebel hing wie ein Tuch über der Landschaft. Kein Held würde heute hier vorbeikommen. Kein Chronist würde dieses Dorf erwähnen.
Doch wenn das Land nicht trug, würde bald auch kein König mehr stehen.
Er schlug erneut zu.
Der Frost antwortete nicht.

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