„Ein Stück Brot“
Der Wind kam vom Fluss her und biss in die Gesichter wie ein schlecht geschliffenes Messer.
Mara stand am Backtrog, lange bevor das Dorf erwachte. Der Teig war klein. Zu klein. Das Mehl reichte kaum noch für zwei Laibe.
Sie schnitt den ersten ab.
Den zweiten halbierte sie.
Ihr Mann Jorik würde nichts sagen. Er sagte selten etwas über Hunger. Er war Fischer, kein Klager.
Heute war der Tag der Liebenden, hatte der Priester vor einer Woche gepredigt. Ein alter Brauch, mehr Stadt als Dorf. Rosen gab es hier nicht. Schmuck schon gar nicht.
Als Jorik von draußen hereinkam, Schnee in den Haaren, legte sie ihm das größere Stück hin.
„Du brauchst Kraft.“
Er sah es. Er wusste es. Er schob es zurück.
„Wir teilen.“
Kein Lächeln. Kein Kuss. Nur ein Nicken.
Später, als er wieder am Fluss stand, wickelte er ein kleines Bündel aus Stoff. Ein Holzanhänger. Schief geschnitzt. Unperfekt.
Ein Herz.
Abends legte er es still auf den Tisch.
Mara strich mit den Fingern darüber.
Kein Gold. Kein Lied. Kein Priester.
Nur Brot.
Und jemand, der blieb.

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Meilensteine in Brickania und meine vorläufigen Etappenziele.
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